Tanzania - Besuch der Edmund Rice Secondary School

Nach einer 45-minütigen Fahrt durch die wu-selige 3-Mio Stadt Arusha, erreichen wir 5 km außerhalb, zuletzt auf holperiger Staubstraße, den Schulkomplex der Edmund Rice Sescondary School (ERSS).

Er ist total, ummauert und hat eine überwach-te Einfahrt.  Derzeit hat die ERSS 1.300 Schüler/innen, davon 1.100  im Internats-betrieb. Entsprechend dem tansanischen Schulsystem durchlaufen Schüler nach einer 7-klassigen Grundschule , an der ERSS eine 4-stufige "Unterstufe" mit einem Abschluss "O-Level" und können nach weiteren 2 Jahren mit  einem "A-Level"-Abschluss die Hochschulreife erreichen - vergleichbar mit dem amerikanischen Collegeabschluss.

Als private Schule erhebt die ERSS Schulgebühren von bis zu 2 Mio. TZS (= € 722) pro Jahr, etwas nach unten gestaffelt nach Level und ob Boarding oder nicht. Einige begabte Kinder aus armen Verhältnissen erhalten von externen Sponsoren Stipendien. Alle tragen einheitliche Schulkleidung. Ein Kopftuch/Hidschab wird nicht geduldet.

Der Schulleiter, Br. Simon Kaswahili Nyanda, ein kleiner, schmaler, sehr lebhafter Mann, empfängt uns zusammen mit dem für die Schulpartnerschaften Verantwortlichen, Mr. Mmbagha. An dem von uns geförderten 1-wöchigen Fortbildungsprogramm für einen schülerzentrierten Unterricht nehmen 10 der 40 Lehrer 2 mal jährlich teil. Die Schulleitung sorgt dafür, dass danach alle übrigen Lehrer in den Inhalten der Kurse geschult werden und alle die neue didaktische Methode in ihrem Unterricht auch an-wenden. Mr. Kaswahili bestätigt, dass der Lernerfolg der Schule dadurch spürbar verbessert wurde. Es wird mehrfach betont, dass es an der Schule, anders als gemeinhin üblich, keine körperlichen Strafen gibt, was auch Teil des didaktischen Programms ist.

Es folgt ein ausführlicher Rundgang über das Schulgelände mit Unterrichtsbesuchen.

Uns werden zwei Klassen mit naturwissen-schaftlichem Unterricht präsentiert, eine Level 1 Klasse in Physik und eine Level 4 in Chemie. Beim Betreten der Klassen stehen alle auf und begrüßen uns. Manches wird mit kollektivem Klatschen begleitet.  Die Kleineren sollen eine Schublehre nachzeichnen und wesentliche Teile beschriften. Zweite Aufgabe ist mit der Schublehre das Innen- und das Außenmaß eines Glases zu messen. Danach präsentieren Gruppensprecher die Ergebnisse.

Die Schüler sitzen zu 5 dicht gedrängt in einer Bank von ca. 1,80m Breite. Ständige körperliche Berührung ist selbstverständlich. Uns beeindruckt die große Disziplin und der geringe Lärmpegel.

Die Älteren experimentieren mit Bunsenbrenner und Schwefel. Da wir beide in der Schule uns um Chemie gedrückt haben, erschließt sich uns die Aufgabe nicht.

Wir besuchen einen Schlafraum von Boarding-Schülerinnen. Die Doppelstock-Betten sind auf engstem Raum gestellt und drängen sich auf ca. 40 m2 für 28 Schülerinnen. Schränke gibt es nicht, nur Wertfächer. Der Rest muss in einem mitgebrachten Koffern gelagert werden, die auf den Wertfächern gestapelt sind. Trotzdem sind die Boardingplätze sehr begehrt, weil man in den vielköpfigen Familien froh ist, zumindest ein Mitglied sicher untergebracht zu haben. Auch sind die Lernbedingungen für Boardingschüler besser. Jede Wohneinheit wird von einer Hausmutter überwacht. Wir entdecken unter einem Bett zwei Teller mit Essensresten. Darauf angesprochen, erklärt die Hausmutter gelassen: Sie bekommt noch ihre Strafe. Sie muss den Schlafraum putzen, denn Essen mitzubringen ist streng verboten.

Die Schule verfügt über mehrere Werkstätten.

 

In der Schreinerei werden von den Schülern unter Anleitung von zwei Handwerkern Schultische und Bänke hergestellt. Auch die jeweiligen metallenen Untergestelle werden von den Schülern geschweißt. Der Eigenbau schont das Schulbudget. Der weitere Effekt ist, dass die Schüler sich nach Abschluss ihr Einkommen auch mit einem Handwerk verdienen können, weil immer noch 80 % aller Erwerbstätigen in Tansania vom Kleingewerbe leben.

 

Auch in der Bäckerei tummeln sich Schüler und verzieren eine Geburtstagstorte.

Nach einem Tag mit vielen Eindrücken werden wir herzlich verabschiedet, nicht ohne uns auf das nächste Projekt der Schule aufmerksam zu machen - ein neues Bettenhaus für weitere 200 Schüler/ innen. Den Bauplatz gibt es schon, nur die Mittel fehlen. Wir nehmen den Wunsch nach Unterstüt-zung mit.