WAZ 27.07.2012

Bildung für ein besseres Leben

Hausaufgabenhilfe durch Studierende: Die Stiftung des Ehepaares Verena und Richard Klix (hinten) macht es  möglich.
Hausaufgabenhilfe durch Studierende: Die Stiftung des Ehepaares Verena und Richard Klix (hinten) macht es möglich.

Bildung für ein besseres Leben

 

Die  private  Rivera-Stiftung  fördert  seit  2007  Bildung im  In-  und  Ausland.

Das  Bochumer  Ehepaar  Klix  widmet sich  jedem  Projekt  persönlich

 

Von Nadja A.Juskowiak

 

 

Die Lehramtsstuden- tin  Regina Schneider (20) schaut auf das  Heft  von  Zeliha  Bozkurt  (13).  Die  Schülerin besucht  die  siebte Klasse der  Heinrich-Böll-Gesamt- schule,  und  Mathema- tik  fällt  ihr  nicht  leicht.

"Wenn Du das angeben sollst in Prozent, weißt Du, wie Du das machst?" fragt Schnei- der das Mädchen. Zeliha überlegt länger, als es in einer regulären Schulstunde üblich wäre. Ruhe und Zeit, die sie hier hat, helfen der Schülerin, den  Lernstoff besser zu verstehen. „Sie  erklärt  mir  das   gut.  Es  ist  einfacher  als  in  der  Klasse. Da ist es  auch  oft  laut“, sagt Zeliha.

 

Nicht in einen großen Topf
 
Die Hausaufgabenbe- treuung  ist  Teil  des  SHS²-Projekts  vom  Verein  Chancenwerk.  Das  beinhaltet:  Stu-denten helfen Schülern und  Schüler helfen Schülern. In der  Heinrich-Böll-Gesamt- schule  finanziert  das  Programm  die  Rivera- Stiftung  von  Verena (63) und Dr.  Richard  Klix  (68)  mit  10.000 Euro  für ein Schuljahr.

 

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Stiftungen in Bochum

      Heute:Rivera-Stiftung    

Das  Bochumer  Ehepaar  blickt  bei seinen  Schulbe- suchen  zufrieden  auf  das  fleißige Treiben.  „Je  mehr Bildung  jemand  hat,  desto  kom- fortabler  ist  das  Leben“,   lautet  die  Erfahrung  der  Stif- ter,  die  sie  gerne  weitergeben  möcht- en. 

Das Ehepaar erfreut sich  daran, zusehen,was  durch  ihre  Hilfe  entsteht.  „Wir  wollen das  Geld  nicht in  einen großen  Topf  wer- fen. Wir  begleiten jedes Projekt und  wissen,  was  da läuft“, erklärt Verena  Klix.  Den Wunsch mitzu- wirken,  haben  die Eheleute aus dem Beruf  beibehalten. Verena Klix arbei- tete  als  Filialleiterin einer Bank,  Ehe- mann  Richard war als Jurist  Geschäfts-führer eines großen Unternehmens.

Schon lange bevor sie   2007  die  Rive- ra Stiftung  gründe- ten,  keimte  die Idee, selbst einmal Stifterzuwerden.  Ri- chard  Klix  erinnert  sich:  „Das erste Mal bewusst    über  Stif-

 

„Man sollte  etwas  zurückgeben“

 VerenaKlix ,
 Stifterin

tungen nachgedacht habe ich,  als mein Doktorvater zu sei- nem  70.  Geburtstag  bat:  Überweisen  Sie  als  Geschenk  etwas  an  den  Stifterver - band.“ Verena   Klix  wirkte  schon  länger  im  Vorstand   der   A.  Wilhelm  Klein  Stift- ung  in Köln  mit.

 

  Den Ruhestand nutzten sie zur Tat. „Wenn man keine Kinder hat, überlegt man: Was machen wir mit den Ersparnissen? Ich finde es nicht gut, alles auf den Kopf zuhauen“, sagt Verena Klix.

 

Die Rivera-Stiftung - der Name ergibt sich übrigens aus den Vornamen der Ehe- leute - wurde 2007 gegründet, vorrangig durch den Wert eines Mehrfamilienhauses. Da die Stiftungsauf- sicht bei Immobilien als Stiftungskapital oft skeptisch sei, fuhren die angehenden Stifter und ihr Notar mit Fotos von dem Haus direkt nach Arnsberg berichtet Verena Klix. Das überzeugte und sie wurden            als

 

selbstständige, ge- meinnützige Stiftung anerkannt.

„Am Anfang ist die größte Sorge, an vernünftige Projekte zukommen”, sagt die Stifterin. Auf das Schulprojekt von Chancenwerk wurden sie aufmerksam durch einen Bericht in der Lokalpresse. Sie nah- men Kontakt zu den verantwortlichen Ge- schwistern Serife und Murat Vural auf.

Die Ruhr-Universität wiederum suchte selbst Kontakt zu den Stiftern. Darum unter- stützen die Klix’ seit 2011 auch eine junge Physik-und Mathema- tikstudentin bei ihrem Masterabschluss. Die Studentin mit türki- schen Wurzeln erhält ein Stipendium des Landes Nordrhein-Westfalen  von  150 Euro monatlich und den gleichen Betrag von der Rivera-Stiftung.

Außer Geld fließen reichlich Zeit und Herzblut in die Stif- tung. Sämtliche Ge- schäfte und Informa- tionsmaterial wie Internetseite und Fly- er  gestaltet  Verena  Klix selbst. „Wenn man das Gefühl hat, es ist gut gelaufen bei mir und Vermögen da ist, sollte man auch etwas zurückgeben“, betont sie.


         Chancen schaffen in  Indien

Stifterpaar finanziert Computerplätze in Schwellenland. Viele Nutzer fanden schon   Arbeitsplätze