Tätigkeitsbericht 2021

I. Die Gemeinnützige Rivera-Stiftung – Mission Leitlinien Projektauswahl

Die Rivera-Stiftung wurde zum 31.12.2007 von den Stiftern Dr. Richard und Verena Klix gegründet.

Die Rivera-Stiftung hat sich zur Förderung der Volks- und Berufsbildung verpflichtet und unterstützt als Förderstiftung Bildungsprojekte in Deutschland und in Entwicklungsländern. Ihr Ziel ist es, mit ihren Mitteln die Bildungschancen von Menschen aus bildungsfernen Schichten so zu verbessern, dass sie in ihrer Gesellschaft einen positiven Beitrag zur Entwicklung ihres Landes leisten und ein ihrem Potential entsprechendes selbstbestimmtes Leben führen können.

 

Unsere Überzeugung:

Bildung ist der entscheidende Faktor für die Lebensbedingungen von Menschen.

Sie schafft Würde und Selbstachtung.

Bildung dient dem Einzelnen aber auch dem Wohlergehen der Gemeinschaft, in der er lebt.

Bildung soll niemandem vorenthalten werden, der Potential hat und Bildungschancen wahrnehmen will.

Bildung in Entwicklungsländern zu fördern, dient den Menschen dort und dem Ansehen Deutschlands in der Welt.

 

Leitlinien unserer Arbeit

Bei den Förderprojekten im Inland ist der aktuelle Schwerpunkt die Förderung der Bildungschancen von Kindern und Jugendlichen aus bildungsfernen Schichten. Neben der Verbesserung der Lebenschancen der Geförderten ist Ziel, das Potential auch der Menschen mit Migrationshintergrund im Hinblick auf die demographische Entwicklung für den Standort Deutschland besser zu nutzen.

Ziel der Projekte in Entwicklungsländern ist, einen kleinen Betrag dafür zu leisten, das Ansehen Deutschlands in der Welt zu stärken und den geförderten Menschen eine bessere Lebensperspektive in ihren eigenen Ländern zu geben und den Migrationsdruck zu verringern. Dabei achten wir – soweit es geht - auf Nachhaltigkeit, d.h., dass sich die Projekte auf Dauer ohne weitere externe Hilfe selbst tragen.

Vorgehen bei der Projektauswahl

·       Förderung von in sich geschlossenen Einzelprojekten, grundsätzlich keine Spenden.

·       Auswahl der Projektpartner nach Professionalität, Erfahrungen und Referenzprojekten.

·       Prüfung von Projektbeschreibung und Budgetplan.

·       Persönliche Diskussion des Projektes mit dem Projektträger.

·       Abschluss eines Fördervertrages mit Rechten und Pflichten des Projektbeteiligten.

·       Prüfung des vereinbarten, mindestens jährlichen Projektberichtes und den Einnahmen-Ausgaben-Rechnungen als Verwendungsnachweis.

Grundsätzlich arbeiten wir als Förderstiftung. Seit 2019 haben wir zusätzlich die Berechtigung, als Träger im Rahmen des Kleinprojektefonds BMZ-Mittel bis zu einer Größenordnung von € 25.000 zu beantragen.

 

Vorgehen bei der Projektauswahl

Förderung von in sich geschlossenen Einzelprojekten, grundsätzlich keine Spenden. 

  • Auswahl der Projektpartner nach Professionalität, Erfahrungen und Referenzprojekten. 
  • Prüfung von Projektbeschreibung und Budgetplan. 
  • Persönliche Diskussion des Projektes mit dem Projektträger. 
  • Abschluss eines Fördervertrages mit Rechten und Pflichten des Projektbeteiligten. 
  • Prüfung des vereinbarten, mindestens jährlichen Projektberichtes und den Einnahmen-Ausgaben
  • Rechnungen als Verwendungsnachweis.

Grundsätzlich arbeiten wir als Förderstiftung. Seit 2019 haben wir zusätzlich die Berechtigung, als Träger im Rahmen des Kleinprojektefonds BMZ-Mittel bis zu einer Größenordnung von € 25.000 zu beantragen

II. Die Fördermaßnahmen im Einzelnen:

 

1. Inländische Projekte

 

1.1. Naturwissenschaftliche Bildung für Grundschulkinder – Standort Bochum

Ziel des Projektes: Bei Kindern im Grundschulalter das Interesse an naturwissenschaftlichen Fragestellungen zu wecken und Grundlagen für ein lebenslanges Lernen zu schaffen. Gleichzeitig Grundschulen und ihre Lehrer zu ermutigen und anzuleiten, naturwissenschaftliche Themen über einen experimentell gestalteten Unterricht didaktisch erfolgreich zu machen. Mit dem Ziel der Nachhaltigkeit wollen wir die geförderten Schulen in die Lage versetzen, am Ende eigenständig Experimentierkurse gleicher Art durchzuführen.

 

Ausgangssituation: In Deutschland fehlt es an qualifizierten Nachwuchskräften im technisch / naturwissenschaftlichen Bereich. Vielfach wird nicht früh genug das Interesse an diesen Themen geweckt.

 

Maßnahmen: Mit unserem Kooperationspartner, dem SienceLab e.V., Starnberg, bieten wir Bochumer Grundschulen Unterstützung bei der Vermittlung von naturwissenschaftlichen Themen im Sachunterricht an. An Projekttagen führen unter Anleitung einer Kursleiterin unserer Partnerorganisation bevorzugt Schüler/innen der 3. und 4. Klassenstufe in kleinen Gruppen naturwissenschaftlich / technischen Experimente durch, deren Ergebnisse sie am Ende in der Klasse präsentieren. Die geförderten Schulen haben die Auswahl zwischen verschiedenen Themen wie Naturgewalten, Mechanik, Elektrizität und Magnetismus, Optik oder Akustik. Die dazu notwendigen Experimentierstationen werden von dem/der Kursleiter(in) bereitgestellt und aufgebaut.

Seit 2015/16 wird an drei Bochumer Grundschulen über fünf Jahre ein Projektzyklus wie folgt durchgeführt: Projektbesprechung, zwei von ScienceLab durchgeführte Experimentierkurse unter Beobachtung der Lehrer (Klassenprojekte), zwei Lehrerfortbildungen, in denen die Lehrer die mit den Kindern durchzuführenden Experimente selbst durchspielen, ein gecoachtes Projekt, in denen die Lehrer unter Assistenz von ScienceLab selbst die Experimentierkurse durchführen. Das Ganze wird mit einer gemeinsamen Abschlusskonferenz unter Beteiligung aller Schulen abgeschlossen. Ab 2020 startete ein Zyklus II mit drei neuen Grundschulen.

Nachhaltigkeit: Die Projekte sind an jeweils drei Schulen als kompletter Zyklus von 5 Jahren an-gelegt, in dessen Verlauf die Lehrer immer mehr verantwortlich eingebunden werden und den experimentell strukturierten Unterricht trainieren können. Wie wir von unserer Partnerorganisa-tion hören, setzen die im Projekt eingebundenen Lehrkräfte die didaktische Methode z.T. schon jetzt in ihrem Unterricht ein, obwohl das Projekt noch nicht abgeschlossen ist. Wir planen auch nach Beendigung, den Kontakt zu den Schulen durch jährliche Meetings wach zu halten.

Die Kurse des Zyklus I fördern wir in dem Zeitraum 2016 – 2020 mit ca. € 25.500 bzw. ca. € 5.000 pro Jahr. Für den Zyklus II haben für den Zeitraum 2020 – 2024 € 29.000, € 5.800 p.a. zugesagt.

Zielerreichung: Die Corona-Jahre 2020 und 2021 haben die Aktivitäten stark gebremst und die Schulen waren organisatorisch so stark belastet, dass auch in 2021 nur eine Experimentierwoche durchgeführt werden konnte. Eine Schule ist abgesprungen. Bei zwei weiteren konnten bis Mitte 2022 keine neuen Termine vereinbart werden, so dass wir diese durch Akquirierung neuer Schulen ersetzen wollen. Mit den übrigen beiden sehr engagierten Schulen werden wir die Projekte fortsetzen. Insgesamt muss die Laufzeit für jeweils ein bis zwei Jahre verlängert werden.

1.2. Informatik-AGen für Schüler*innen der 5. und 6. Klasse in der Heinrich-Böll-Gesamtschule

 

Ziel des Projektes: Schüler*innen schon zu Beginn ihrer Schulkarriere an das Thema Informatik heranzuführen und zu begeistern, damit sie es in den Folgejahren weiterverfolgen.

 

Ausgangssituation: Deutschland hat einen hohen Bedarf an IT-Fachkräften. Lt. Informationen des Digitalverbandes Bitkom waren Ende 2020 86.000 Stellen für IT-Kräfte unbesetzt. Darüber hinaus wird in vielen Lebens- und Berufsbereichen immer mehr digitales Wissen benötigt, um beruflich erfolgreich zu sein.

 

Maßnahmen/Projektgegenstand: An der Heinrich-Böll-Gesamtschule, Bochum werden ältere Schü-ler ab der 9. Klassenstufe sowie Lehrkräfte in einer Schulungswoche von einer Honorarkraft unseres Projektpartners ScienceLab e.V. zu IT-Tutoren ausgebildet, die danach jüngeren Schülern der 5. und 6. Klassenstufe im Rahmen von Arbeitsgemeinschaften mit jeweils 12 Schüler*innen Grundlagen der Informatik und Robotik unter Einsatz von LEGO Education Baukästen vermitteln.

 

Projektpartner: Science-Lab e.V. ist eine unabhängige, gemeinnützige Bildungseinrichtung, die Kindern den Zugang zu naturwissenschaftlichen Fragestellungen eröffnen und die Grundlage für lebenslanges und eigenständiges Lernen schaffen will. Sie wurde 2002 von einer Chemikerin, Dr. Heike Schettler, und der Dipl. Kffr., Sonja Stuchtey, gegründet, mit dem Ziel, dass sich mehr junge Menschen für naturwissenschaftliche und technische Berufe entscheiden.

 

Finanzbedarf: Es wurden 12 LEGO-Sets im Gesamtwert von € 2.000 angeschafft und der Schule dauerhaft zur Verfügung gestellt. Im Berichtsjahr fielen daneben für Schulungsaufwand seitens der o.a. Honorarkraft (zwei Tage a/jeweils vier Stunden, Vorbereitung, Anreise, Übernachtung) € 1.840 an. Kosten in gleicher Höhe zuzüglich Aufwand für Videokonferenzen, Evaluierung etc. über € 250 werden 2022 benötigt.

 

Chancen: Wir sehen das Projekt als Pilot, den wir bei Erfolg auch an weiteren Bochumer Schulen etablieren können. Wir wollen diesen Piloten auch dazu nutzen, um für weitere entsprechende Projekte Sponsoren zu finden. Generell erwarten wir, dass die jungen Schüler Freude an digitalen Themen entwickeln, die sie auch in ihrem weiten schulischen Weg noch vertiefen.

 

Risiken: Der Erfolg hängt entscheidend von der Qualität der Honorarkraft ab, die wir kennen und bisher sehr positiv bewerten. Risiko ist auch, dass die Schule nicht mitzieht bzw. nach kurzer Zeit das Projekt wieder fallen lässt. Unter dem jetzigen Schulleiter, der sich sehr engagiert hinter das Projekt gestellt hat, ist das aber nicht zu befürchten.

 

Zielerreichung: Der Abschlussbericht/Evaluation steht derzeit für das zu Ende gehende Schuljahr noch aus. Allerdings haben sich der Schulleiter und die didaktische Leiterin uneingeschränkt positiv zu dem Projekt geäußert und gewünscht, dass es im kommenden Schuljahr fortgesetzt wird. 

1.3. Stipendium im Rahmen des Bildungsfonds der Ruhr Universität Bochum (RUB)

Ziel: Spitzenförderung junger akademischer Talente.

Maßnahme: Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert im Rahmen des „Deutschlandstipendiums“ begabte Studierende in Deutschland mit monatlich € 150,00, wenn sich ein privater Partner findet, der das Stipendium um die gleiche Summe aufstockt.

Der RUB-Bildungsfonds der Ruhr-Universität Bochum übernimmt die Koordination der Förderung für Studierende an der Ruhr-Universität. Der Fonds organisiert die Auswahl der zu fördernden Studenten über die Fakultäten und übernimmt die Auszahlung der Stipendien. Er überprüft jährlich den Studienfortschritt. Folgende Prioritäten haben wir dem Bildungsfonds aufgegeben:

·       Der Stipendiat/die Stipendiatin sollte überdurchschnittliche Studienerfolge nachweisen können.

·       Der Stipendiat/die Stipendiatin sollte auf finanzielle Hilfe angewiesen sein.

·       Ein(e) Stipendiat(in) mit Migrationshintergrund ist uns besonders willkommen.

·       Das Studienfach sollte aus dem technisch naturwissenschaftlichen Bereich und/oder aus den Bereichen der Pädagogik/Erziehungswissenschaften sein.

Seit 2011 fördern wir jährlich einen Stipendiaten/in mit € 1.800 p.a..

Zielerreichung: Bisher haben wir auf diese Weise sieben Studierende gefördert, mehrheitlich im Masterstudiengang auf das Lehramt, was wiederum unserem Stiftungsziel, der Bildungsförderung entspricht. Ein Stipendiat hat nach dem Studium eine Promotion in Biologie begonnen und ist am Lehrstuhl beschäftigt. Die aktuelle Stipendiatin haben wir als Ehrenamtliche Mitarbeiterin gewinnen können. 

 

Mit Kuratoriumsbeschluss vom 07.05.2021 wurde entschieden, die Zuwendungen für weitere drei Jahre fortzusetzen.

1.4. Adam Wilhelm Klein Stiftung, Köln                                         

Die als gemeinnützig anerkannte A. Wilhelm Klein Stiftung mit Sitz an der TU Köln fördert begabte Studierende mit zweckgebundenen zinslosen Förderdarlehen, die gewährt werden, wenn die Antragsteller einen höheren Abschluss anstreben oder Unterstützung bei Auslandssemestern benötigen und BAföG oder andere im Inland übliche Fördermittel nicht zur Verfügung stehen. Die Förderung kommt insbesondere dann zum Tragen, wenn Zusatzqualifikationen – z.B. ein Masterstudiengang nach Abschluss des Bachelor - erworben werden.

Spende 2021:  € 250.

 

2. Projekte Entwicklungszusammenarbeit

2.1. Bangladesch 

2.1.1 Hochwertige Grundbildung an 40 staatlichen Schulen 2020 – 2023

Ziel des Projektes: Verbesserung der Schulbildung an 40 staatlichen Grundschulen im Nordwesten des Landes für 12.000 Kinder aus benachteiligten Bevölkerungsgruppen, sowie in besonderer Armut lebenden Familien. Die zu fördernden Schulen sind zu Projektbeginn von den Bildungsbehörden in den schlechten Kategorien C und D eingeordnet. Zu Projektende sollen alle Schulen mindestens die Kategorie B erreichen.

Ausgangssituation: In Bangladesch besuchen immer noch rd. 2,6 Mio. schulpflichtige Kinder keine Grundschule. Zudem ist die Unterrichtsqualität besonders an staatlichen Schulen schlecht. Hauptgründe sind die unzureichende Ausbildung und hohe Fehlzeiten der Lehrkräfte, überfüllte Klassen, Mangel an kindgerechten Lehr- und Lernmaterialien und der desolate Zustand vieler Schul-gebäude. In der Folge können 70% der Kinder nach Beendigung der Grundschule nicht ausreichend lesen, schreiben und rechnen. 45% der Kinder brechen den Schulbesuch vor Beendigung der 5. Kla- se ab. 

Maßnahmen: Von unserem langjährigen Partner Netz e.V. ist für die 40 staatlichen Grundschulen folgendes geplant: an 12 der 40 Schulen werden fehlende Vorschulklassen eingerichtet, sämtliche Schulgebäude werden renoviert, die Lehrmaterialien modernisiert, der regelmäßige Schulbetrieb überwacht, die Lehrkräfte in naturwissenschaftlichen Fächern und kinderzentrierten Lehrmethoden geschult und die Bevölkerung - auch über Bildungssozialarbeiter*innen - in die Unterstützung der Schule eingebunden.

 

Projektgegenstand: NETZ e.V. hat für o.a. Maßnahmen eine 90%-ige Förderung durch das Bundes-ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) im Gesamtvolumen von € 222.435. erhalten. Wir haben die Refinanzierung des 10%igen Eigenanteils in Höhe von

€ 22.244  =  € 5.100 p.a. übernommen. 

Chancen / Risiken

Das Projekt verbessert die Bildungschancen von Kindern und Jugendlichen in Gebieten, wo häufig Koranschulen das einzige Bildungsangebot darstellen. Da die unterstützten staatlichen Grundschulen nach Projektende weiterbestehen werden, ist auch die Nachhaltigkeit gegeben. Neben den generellen Risiken, wie Korruption oder abrupte Änderung der politischen Rahmenbedingungen, ist das Risiko bei der Zielerreichung, dass unser Projektpartner keinen Einfluss auf die Personalstruktur der Schulen hat und damit auch nicht auf die Klassenstärken. Durch einen intensiven Kontakt mit den Schulbehörden will unser Projektpartner längerfristig auch hier eine Verbesserung erreichen.

Aktuelle Situation/Zielerreichung:  Das Schuljahr 2021 war erneut von der Corona-Pandemie ge-prägt. Die Schulen mit 4.188 Schüler*innen öffneten nach 18 Monaten erst wieder am 12. Sep-tember. Trotzdem konnten einige der geplanten Aktivitäten umgesetzt werden:

- Ausstattung mit neuen Lehrmaterialien,

- Einrichtung von Schulbibliotheken,

- Renovierungsarbeiten an den Gebäuden und der Ausstattung.

Parallel fand im Freien angepasster Unterricht statt und wurden Schüler und Lehrer mit Covid-Materialien ausgestattet. 

Nach aktuellem Stand kann das Projekt in den kommenden Jahren planmäßig durchführt werden.

2.1.2.  Inklusive Bildungschancen an Sekundarschulen – 2021-2024

Ziel des Projektes: Verbesserung der Bildungschancen für Sekundarschüler*innen und Kinder /Ju-gendliche von religiösen und indigenen Minderheiten, insbesondere Adavasis und Dalits, durch Maßnahmen gegen geschlechts- und identitätsbezogene Gewalt in acht im äußersten Nordwesten des Landes gelegenen von großer Armut geprägten Programmdistrikten.

 

Ausgangssituation: In Bangladesch verhindern häufig Armut, Diskriminierung und Gewalt, dass Kinder überhaupt eingeschult werden bzw. einen Schulabschluss erreichen. In den Sekundarschulen sind die Abbruchraten von Mädchen und Kindern aus marginalisierten Bevölkerungsgruppen besonders hoch. Gründe sind Frühehen, Kinderarbeit, fehlende Begleitung durch Lehrkräfte sowie ein unsicheres Umfeld, wie sexuelle Belästigung und sexualisierte Gewalt durch Mitschüler und Lehrkräfte im täglichen Miteinander und im digitalen Raum.

 

Maßnahmen: Mobilisierung und Schulung von Jugendlichen an 80 Sekundarschulen zu Akteuren für einen gesellschaftlichen Wandel, um Missstände an ihren Schulen und in ihren Gemeinden zu the-matisieren und zu verändern. Dabei müssen die Aktivisten vor Diskreditierung und Stigmatisierung durch eine breite Unterstützung seitens Lehrern und Schulkomitees (11-köpfige Gremien aus Eltern, Gemeindemitgliedern und Vertretern von Schulbehörden) geschützt werden. Die Maßnahmen sollen 4.000 Schüler*innen, 400 Lehrkräfte und 880 ehrenamtliche Mitglieder der Schulkomitees erreichen. Im Einzelnen sollen: 

  • Arbeitsgemeinschaften aus Schülern und Lehrern, die Maßnahmen erarbeiten und umsetzen, um den Missständen abzuhelfen. 
  • Theatergruppen Menschenrechtsprobleme thematisieren und bei Mitschülern, Eltern und der Lokalbevölkerung präsentieren. 
  • Selbstverteidigungstrainings die Mädchen schulen, sich selbst zu schützen.

Projektgegenstand: Das Projekt wird durch das BMZ (Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) zu 90% gefördert. Wir stellen die Refinanzierung des Eigenanteils unseres Projektpartners Netz e.V. in Höhe von € 23.432 verteilt über 4 Jahre dar.

 

Chancen / Risiken: Das Projekt zielt darauf ab, Chancengleichheit für Kinder und Jugendliche zu schaffen, damit sie Bildungsangebote überhaupt wahrnehmen zu können. Ein Zugang zu den Bildungseinrichtungen ohne Diskriminierung und Angst vor Gewalt ist die Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Förderung von Bildung.

 

Aktuelle Situation/Zielerreichung: Covid-bedingt wurden auch die Sekundarschulen erstmals am 12. September 2021 stufenweise wieder geöffnet. Viele der geplanten Aktivitäten konnten nicht oder nur teilweise durchgeführt werden. Insoweit wurde auch nur die Hälfte der vorgesehenen Projektförderung abgerufen. Ob alles im Projektzeitraum noch nachgeholt werden kann ist offen. Ggf. muss das Projekt um ½ Jahr verlängert werden. Eine generelle Beeinträchtigung des Projektes ist aber nicht zu erkennen.

2.2. Nordost-Indien Assam und Meghalaya

Ausgangssituation generell: Assam und Meghalaya sind zwei von 7 Schwesterstaaten im äußersten Nordostzipfel Indiens und nur durch einen schmalen Landstreifen mit dem übrigen Indien verbunden. So abgelegen, so arm und unterentwickelt ist die Region. Gefährdet durch Naturkatastrophen und ethnische Konflikte lebt die Mehrheit der Menschen von der Landwirtschaft und unter der Armutsgrenze von 1 US$ pro Tag. 

2.2.1. Lernzentren für Flüchtlingskinder 2020-2023 (Assam)

Ausgangssituation Schulbildung: In der Region mangelt es an Bildungseinrichtungen. Die Alphabe-tisierungsrate liegt bei 64% - bei Frauen 57%. Die Lernleistung in staatlichen Schulen ist unzurei-chend. 46% der Kinder in den 3.-5. Klassen können nicht schreiben, was der mangelhaften Aus-bildung der Lehrkräfte geschuldet ist. In sogenannten "Waldgebieten" leben Flüchtlinge, die bei jahrelangen gewaltsamen Konflikten ihr Land verloren haben. Die Regierung erkennt die Siedlungen nicht an und stellt keine Schulen bereit.

 

Ziel des Projektes: 60% der in den "Waldgebieten" lebenden Kinder sollen sogenannte Lernzentren besuchen und ihre Lese-und Rechenfähigkeiten so verbessern, dass 40% von ihnen in der 3.-5. Klassenstufe Texte lesen können und die vier Grundrechenarten beherrschen.

 

Maßnahmen: Im Rahmen einer Gesamtmaßnahme zur Verbesserung der Bildungssituation in Assam sollen in den "Waldgebieten" acht Lernzentren für 400 Schüler*innen errichtet werden, in denen täglich 5 Stunden unterrichtet wird. Daneben werden zehn Förderzentren in oder in der Nähe der staatlichen Schulen eingerichtet. Diese sollen weitere 300 Schüler*innen von staatlichen Schulen erreichen, um deren Grundkenntnisse in Rechnen, Schreiben und Lesen zu verbessern. Schließlich werden die eingesetzten Lehrkräfte in sogenannten Modellzentren in schülerzentrierten Lehrmethoden geschult. Die Gesamtmaßnahme wird vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) zu 75% gefördert. Die Rivera-Stiftung refinanziert für das Teilprojekt "Lernzentren in Waldgebieten" den Eigenanteil unseres Projektpart-ners mit € 22.400 verteilt über 4 Jahre.

 

Chancen / Risiken / Nachhaltigkeit: Aufgrund der sehr guten Beziehungen des lokalen Partners zu lokalen Politikern setzt das Projekt darauf, dass bei Schulleitern und den Bildungsbehörden die Einsicht reift, dass die geschaffenen Einrichtungen weitergeführt werden müssen und zu staatlichen Schulen umgewandelt werden. Hierzu soll auch das steigende Engagement der Bewohner in „Waldgebieten“ betragen. Grundsätzliche Risiken sind fehlende Kooperationsbereitschaft der Behörden, Naturkatastrophen/Überschwemmungen und ethnische Konflikte, in dem Gebiet mit über 140 Ethnien. Auch die regelmäßige Teilnahme am Unterricht ist eine Herausforderung.

Aktuelle Situation/Zielerreichung: Acht Wald-Lernzentren sind in 2021 in Betrieb gegangen rd. 600 Kinder sind angemeldet. In den ersten Monaten lag die Anwesenheitsquote bei rd. 60%. Durch die Pandemiewelle hat sich die Quote zunehmend verschlechtert, weil die Bevölkerung eine erhöhte Ansteckung durch den Schulunterricht fürchtete. Gesprächsinitiativen mit den Dorfgemeinschaften über die Wichtigkeit der Bildung sollen dem entgegenwirken. Die lokalen Partner sind sehr enga-giert, so dass wir zuversichtlich sind, mittelfristig befriedigende Teilnahmequoten zu erreichen

 

2.2.2. Berufsbildung und Förderung von Kleinunternehmen 2020 – 2023 (Assam und Meghalaya)

Ausgangssituation Berufsbildung: In dem Projektgebiet gibt es neben der Landwirtschaft, die die wachsende Bevölkerung nicht mehr ernährt, zu wenige Verdienstmöglichkeiten. Das führt zur Abwanderung der jungen Bevölkerung in weit entfernte Ballungszentren. Dort arbeiten die Migranten zu sehr geringen Löhnen und sind der Willkür der Arbeitgeber ausgesetzt.

 

Ziel des Projektes: Bis 2023 sollen 4.800 Jugendliche aus einkommensschwachen Haushalten so ertüchtigt werden, dass 70% von ihnen einer freiberuflichen Tätigkeit nachgehen und 700 Klein-unternehmen gegründet werden können.

 

Maßnahmen: Die Stiftung Childaid Network errichtet mit ihrem lokalen Projektpartner, vier Berufsbildungszentren sowie 4 CyberLabore mit Computern und sonstiger Einrichtung. In den Zentren werden traditionelle und moderne Ausbildungskurse angeboten, verbunden mit der Schulung in technischem und unternehmerischem Handeln. 525 der neu zu gründenden Klein-unternehmen erhalten aus den Projektmitteln eine Investitionsförderung. Weitere werden bei der Beantragung von Bank-/Gründungskrediten begleitet. 1.440 Absolventen sollen in Lohnarbeit vermittelt werden. Für die laufenden Kosten der Ausbildungsstätten übernehmen wir die Refinanzierung des 20-igen Eigenanteils in Höhe von € 17.600, € 4.400 übernimmt der lokale Projektpartner, € 66.000 das BMZ.

 

Chancen/Risiken/Nachhaltigkeit: Das Projekt leistet einen Beitrag, die Lebenssituation der stark wachsenden jungen Bevölkerung zu verbessern und die Arbeit-Migration in andere Teile Indiens zu verringern. Risiken sind eine unzureichende Mobilisierung von Ausbildungswilligen, politische Unruhen und Naturkatastrophen – Coronakrise.

 

Aktuelle Situation/Zielerreichung: Die zweite Coronawelle fiel mit hohen Infektions- und Todesraten in Indien noch viel stärker aus als die in 2020. Das öffentliche Leben kam zum Erliegen. Es war nur schwer möglich Trainees für die Ausbildungskurse zu mobilisieren. Außerdem mussten Ausbil-dungseinrichtungen mehrere Monate schließen und durften erst im Herbst wieder sukzessive öffnen. Im Ergebnis konnten im Vergleich zur Planung trotz Online-Modus nur 1/3 der Jugendlichen ausgebildet werden, da der praktische Teil nur in den Ausbildungszentren vermittelt werden kann. Auch die schon in 2020 entstandenen Rückstände konnten nicht aufgeholt werden. Um in 2022 die Defizite aus den Jahren 2020 und 2021 aufzuholen, sollen die Schulungen in Satellitenzentren dezentralisiert werden, um mehr – vor allem männliche Jugendliche - zu erreichen. Unser Projektpartner Childaid Network hatte früh im Jahr 2021 unsere Förderbeiträge in vollem Umfang abgerufen, wird aber den Abruf in 2022 voraussichtlich aussetzen. Wir gehen von einer Projektverlängerung aus, in deren Rahmen die ursprünglichen Ziele noch erreicht werden können.

2.3. Zentral-Indien: Ausbau und Verbesserung eines Mädcheninternats (Madhya Pradesh) 01.09.2020 – 31.08.2021; verlängert bis zum 21.03.2022

Ziel des Projektes: Gesicherte Zukunftsperspektiven für extrem benachteiligten Mädchen der indigenen Stammesbevölkerung (Dalits und Adivasis) durch eine ganzheitliche Förderung in Form von Schulbildung, Persönlichkeitsentwicklung, Berufsvorbereitung sowie gesundheitlicher und hygienischer Aufklärung und Versorgung.

 

Ausgangssituation: Der Bundesstaat Madhya Pradesh, in Zentralindien gelegen, ist flächenmäßig einer der größten und ärmsten Bundesstaaten Indiens. Der Teilstaat ist geprägt von feudalen Strukturen mit riesigen sozialen Ungleichheiten. 21% der Bevölkerung gehört den indigenen Stämmen der Adivasis und Dalits (Unberührbaren) an. Sie sind vom sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Leben ausgeschlossen und leben in Ghettos am Rande der Dörfer, häufig unterernährt. Obwohl seit einigen Jahren Schulpflicht in Indien besteht, schafft es nur ein sehr kleiner Teil der Mädchen, die Grundschule abzuschließen und eine weiterführende Schule zu besuchen. Aufgrund der mangelhaften Qualität des indischen Schulsystems auf dem Lande können zudem viele Kinder nach Abschluss der Grundschule nicht richtig lesen, schreiben oder rechnen.

 

Maßnahmen/Projektgegenstand: Der lokale Projektpartner betreibt in Madhya Pradesh Mädcheninternate, u.a. in Dhulkot für Schülerinnen im Alter von 5-16 Jahren, die z.Z. in einem Klassenraum unterrichtet werden. Zur Verbesserung der Situation sollen zwei weitere Klassenräume errichtet und die Zahl der Schülerinnen auf 120 erhöht werden. Der Schwerpunkt der Schulbildung liegt auf Englisch und Mathematik, der Entwicklung von rhetorischen Fähigkeiten zur Stärkung des Selbstbewusstseins der Schülerinnen sowie der Berufsorientierung. Für die 14 Lehrkräfte sind Weiterbildungsmaßnahmen vorgesehen. Für diesen Projektteil refinanzieren wir den Selbstbehalt unserer Partnerorganisation mit € 3.385.

 

Chancen/Risiken/Nachhaltigkeit: Das Projekt verbessert die Lebensperspektiven für Frauen in der extrem armen und unterentwickelten Region. Die Projektpartner sind in der Bildungs- und Jugendarbeit erfahren. Das Internat wird zweimal im Jahr vom lokalen Projektpartner evaluiert. Eine Kinderschutz-Policy wurde nachgewiesen. Nach einer Übergangszeit ist geplant, dass der lokale Partner den Unterhalt des Internats alleine übernimmt durch Erhebung von etwas Schulgeld oder Sachleistungen von den Eltern.

 

Aktuelle Situation/Zielerreichung: Die Infektionssituation in Indien war auch in 2021 dramatisch (s.a. 2.2.2.) Das Mädcheninternat musste auch im Berichtsjahr mehrere Monate schließen. Auch die von uns geförderten Weiterbildungsmaßnahmen für das Lehrpersonal konnte nur zu Hälfte der geplan-ten 6 Schulungen durchgeführt werden. Die restlichen Schulungen sollen im März 2022 erfolgen. Die Verlängerung des Projektes bis September 2022 wurde beantragt.

 

2.4. Tansania – Lehrerfortbildung II 2021 - 2024

Ausgangssituation: In Tansania fehlt es nicht am Zugang zu Schulbildung. Gleichwohl stellen mangelnde Lernerfolge der Schüler*innen ein großes Problem dar. Vor allem in den Naturwissenschaften und Mathematik sind die Examensergebnisse an den Sekundarschulen sehr schlecht. Bei den nationalen Abschlussexamina liegt die Durchfallquote bei 60%. Im Wesentlichen verantwortlich ist die fehlende fachliche und didaktische Qualifikation der Lehrkräfte.

 

Ziel des Projektes: Verbesserung der Unterrichtsqualität an der staatlichen Mandaka Sec. School, im Mwanga Distrikt, Tansania, in Naturwissenschaften, Englisch und Mathematik. Zudem sollen schülerzentrierte Unterrichtsmethoden durch die Lehrer angewandt werden, um den Lernerfolg bei den Schülern zu steigern. Maßnahmen/Projektgegenstand: Unsere Kooperationspartnerin, PROBONO, Schulpartnerschaften eine Welt e.V. hält in Zusammenarbeit mit der Mwenge Catholic University (MWECAU) in Tansania für 12 weiterführende Schulen im Rahmen eines vierjährigen Programmes jährlich 1-wöchige didaktisch/methodische Workshops zur Einführung eines schülerzentrierten interaktiven Unterrichts ab. Die Workshops werden jeweils um nachfolgende Unterrichtsbesuche ergänzt, um zu sehen, inwieweit die erlernten Methoden angewendet werden. Außerdem soll die Schule einen eigenen Laborbau erhalten Dieser Teil des Programms wird vom BMZ zu 75% gefördert.

 

Zudem organisiert POROBONO im Zeitraum 2021 bis 2024 in Zusammenarbeit mit dem SES fachspezifische Workshops in Englisch, Mathematik und vier naturwissenschaftlichen Fächern. Auch diese Kurse werden durch nachfolgende Unterrichtsbesuche ergänzt. Dieser Teil des Programms wird durch das BMZ nicht gefördert, da der SES als halbstaatliche Organisation bereits öffentliche Mittel erhält. Gleichwohl verbleiben für die Unterbringung, Verpflegung, Räume, Arbeitsmaterialien und lokale Transporte Kosten, die ergänzend gedeckt werden müssen. Wir haben die Förderung des Programms für die staatliche Mandaka Secondary School, in den Jahren 2021/24 zugesagt. Die Schule liegt in einem ländlichen Distrikt in der Kilimajaro-Region hat 522 Schüler*innen, 32 Lehrkräfte, eine ärmliche Ausstattung und ein Internat für 140 Schülerinnen, weil die Mädchen dort bessere Lernbedingungen haben als zuhause. PROBONO empfiehlt uns die Schule wegen des sehr engagierten Kollegiums. 10 Lehrer*innen sollen an dem Programm teilnehmen.

Die Förderung der beiden Maßnahmen an der Schule unterstützten wir mit einer Zuwendung von

€ 26.342 verteilt über 4 Jahre. Chancen,

 

Risiken und Nachhaltigkeit: Wir haben ein gleichartiges Projekt schon in den Jahren 2018 und 2019 unterstützt, das einer externen Evaluation unterzogen wurde und sehr gute Bewertungen bekommen hat. Die Schüler*innen profitieren von verbesserten Lehrmethoden und erhöhen ihre Chance, die Abschlussprüfungen zu bestehen.

Durch Fluktuation des Lehrpersonals könnte Knowhow verloren gehen. Dem soll durch Verträge mit den teilnehmenden Lehrkräften vorgebeugt werden. Durch die Corona-Pandemie kann es bei den Schulungen zu Verzögerungen kommen.

 

Aktuelle Situation/Zielerreichung: Im September 2021 fand der erste Methodik-Workshop an der Mwenge-Catholic-University statt. Es wurden eine Woche lang die Grundlagen für schülerzentrierten Unterricht vermittelt. Danach wurde die Methodik in schulinternen Workshops an der Mandaka Schule erprobt. Corona-bedingt, konnten die fachspezifischen Workshops die die Vertreter des SES erst Anfang des Jahres durchgeführt werden. Ansonsten läuft das Projekt planmäßig.

 

2.5. Uganda – Ausbildung von Solartechnikern - 2020

Ziel des Projektes: Durch Ausbildung Zukunftsperspektive zu schaffen, und sich durch eigene Arbeit ein Auskommen zu schaffen. Aufbau eines sich selbst tragenden Solarhandwerks, das letztlich der unterentwickelten ländlichen Energieversorgung dient.

 

Ausgangssituation: In Uganda haben nur 20% der Bevölkerung Zugang zu Elektrizität, auf dem Land sogar nur 10%. Unser Projektpartner Stiftung Solarenergie e.V. (s. nachstehend) fördert den Bau von sogenannten Solardörfern. Dort wird der Elektrizitätsbedarf über Solarpanels gedeckt, die von den Einwohnern ratenweise erworben werden. Der Aufbau und die Wartung erfordert Fachkräfte.

 

Maßnahmen: Stiftung Solarenergie e.V. entwickelte in Zusammenarbeit mit der Handwerkskammer Köln und dem von der GIZ (Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit,) ein Konzept, das Fachkräfte, die eine elektrotechnische Vorbildung haben, in 1 x 3 und 1 x 2-wöchigen Kursen, unterbrochen von drei Praxiswochen zu Solartechnikern ausbildet.

Trägerin der Ausbildungskurse ist die SENDEA Training Academy, betrie-ben von der SENDEA Genossenschaft, ein ebenfalls von der Stiftung Solarenergie unterstützter Zusammenschluss von lokalen Solarunternehmen, die verschiedene ihrer Aktivitäten bündeln. Durchgeführt werden die Kurse vom Nakawa Vocational Training College, einer Institution des ugandischen Ministerium für Erziehung und Sport. Für den in 2021 geplanten Kursus mit 10 - 12 Teilnehmern bewilligten wir

€ 5.000.

 

Chancen und Risiken: In Uganda gibt es weit mehr Schul- und Universitätsabsolventen als adäquate Arbeitsplätze. Deshalb ist eine berufliche Ausbildung, die Chancen am Arbeitsmarkt eröffnet, ein wertvoller Beitrag für die Teilnehmer, aber auch die Entwicklung des Landes, zumal Solarenergie das Mittel der Wahl ist, um die Stromknappheit zu lindern.

Risiko waren die - auch in Uganda - pandemiebedingten Schließungen von Ausbildungsstätten

 

Aktuelle Situation: Der von uns geförderte Kursus fand vom 01.03.bis 14.05.2021 statt. Corona behinderte nicht nur die Ausbildungsabläufe, sondern beeinträchtigte auch die wirtschaftliche Situation der lokalen Solarunternehmen. Sie übten in 2021 große Zurückhaltung bei der Entsendung von „Auszubildenden“ wegen der zu erbringenden Kursgebühren. Insoweit konnten nur acht Kursteilnehmer gewonnen werden. Eine Teilnehmerin gab auf, so dass schließlich 7 Teilnehmer*innen den Kursus erfolgreich abschlossen. Die Trainingsziele wurden erreicht.

Trotz der geringeren Reichweite in 2021 sehen wir das Projekt als unverändert wertvoll an.

2.6. Guatemala – zwei Projekte

Ziel der Projekte: Verbesserung der Lebensbedingungen insbesondere von Frauen und Jugendlichen in verarmten Regionen Guatemalas durch eine technische und betriebliche Ausbildung.

 

Ausgangssituation: Das mittelamerikanische Land (15,9 Mio. Einwohner) gehört mit einem Brutto-inlandsprodukt von US $ 4.575 pro Kopf (2018) nicht zu den ärmsten Ländern der Welt. Es herrscht aber große soziale Ungleichheit. Im Südwesten des Landes, unserer Förderregion, gelten mehr als 60% der Bevölkerung als arm, 16% als extrem arm. 69% der Erwerbstätigen leben von Gelegenheits-

jobs ohne soziale Absicherung. Die Analphabeten-Rate in Guatemala liegt bei 18,5% (12,6% bei Männern, 23,7% bei Frauen) Im armen Südwesten des Landes auf den Dörfern tendenziell noch deutlich höher. 60% der Jugendlichen absolvieren die 9-jährige Schulpflicht nicht vollständig.

 

Maßnahmen: Unser Kooperationspartner in Guatemala, FUNDAP, betreibt im Südwesten Guatemalas unter dem Namen IJÁ (Samen) vier technische Zentren (CT/Centro Técnico): Altiplano, Costa Sur, Puerta de Occidente und San Marcos. Jedes besteht aus einer stationären Ausbildungs-einheit und jeweils mehreren mobilen, sog. CEDES. Die CEDEs bieten 6-monatige technische Grundkurse (200 Stunden) in den Bereichen Bäckerei und Kochen, Schneiderei/Konfektion und Dienstleistungen, z.B. Frisör, an. Zusätzlich werden in 60 Unterrichtseinheiten kaufmännische Grundlagen vermittelt. In 6 Monaten werden 40 - 70 Teilnehmer(innen) pro Gemeinde ausgebildet. Dann zieht der CEDE an einen neuen Standort. 

2.6.1. Förderprogramm Altiplano – schulische und berufliche Bildung als Weg in die Selbständigkeit 2019 - 2022

In einer 3-jährigen Projektphase sollen:

1. 450 Jugendliche zwischen 15 und 25 Jahren für die Bedeutung einer qualifizierten Ausbildung sensibilisiert werden: Ziel: 50% von ihnen entscheiden sich für eine Ausbildung bei FUNDAP oder einer anderen Bildungseinrichtung.

2. 300 Absolventen der FUNDAP Berufsbildungsmaßnahmen sollen verschiedene Weiterbildungs-maßnahmen absolvieren, um sie bei dem Schritt in die Selbständigkeit zu unterstützen: Analyse der Geschäftsidee, Marktanalyse, Marketing etc., persönliches Coaching, Leasingangebot.

3. Schulbildung für Erwachsene zur Verbesserung des Zuganges zum Arbeitsmarkt, Nachholung von Schulabschlüssen, Verbesserung der Ausstattung der entsprechenden Ausbildungszentren (Pro- gramm CIEM) angeboten.

Das Gesamtprojekt beläuft sich auf € 292.000 und wird vom BMZ mit € 219.000 gefördert. Die Rivera-Stiftung übernimmt mit € 9.075 ein knappes Drittel der Refinanzierung des Eigenanteils des deutschen Projektträgers, Rhein-Donau-Stiftung e.V. (RDS), – € 3.025 p.a.

 

Chancen/Risiken: Das Projekt gibt Frauen und Jugendlichen die Möglichkeit, ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt bzw. bei dem Schritt in die Selbständigkeit nachhaltig zu verbessern. Vor Ort haben wir in FUNDAP einen auf dem Gebiet erfahren Partner, der schon seit Jahren erfolgreich arbeitet. Die RDS besucht die Projektstandorte regelmäßig und überzeugt sich von dem Erfolg der Projekte. Risiken sind hohe Abbrecherquoten/zu wenige Teilnehmer erreichen den vorgesehenen Schulabschluss oder scheitern auf dem Weg in die Selbständigkeit. Vor allem Letzteres wird durch die vorgesehenen Weiterbildungsmaßnahmen relativiert. 

 

Aktuelle Situation: Trotz der Covid-Pandemie konnten die Ausbildungskurse in den Gemeinden überwiegend in Präsenz abgehalten werden unter Einhaltung der Hygienevorschriften. In dem stationären Ausbildungszentrum El Refugio fanden die Schulungen hybrid und in kleinen Gruppen statt. Auf diese Weise konnten alle erfolgreich auf die Abschlussprüfungen vorbereitet werden. In hybrider Form lief auch für das Programm zu Förderung von Kleinunternehmen, das bis Ende 2021 200 Absolvent*innen aus den Kursen im Zentrum und in den Cedes durchlaufen haben. 300 waren ursprünglich geplant. Weit über Plan erreichte mit 900 Teilnehmer*innen das Sensibilisierungs- und Informationsprogramm. Es wurde überwiegend per Video abgehalten. Das Projekt wurde im Mai 2022 abgeschlossen.

 

2.6.2. Das Modell IJÀ

Aus einer Expost-Evaluierung der vorausgegangenen Projekte sind einige Verbesserungsmaß-nahmen ermittelt worden: Erneuerung und Modernisierung von CEDES und CT’s in drei Regionen, Fortbildungsmaßnahmen für das Lehr- und Verwaltungspersonal, Aktualisierung und Vereinheitl-ichung der Curricula, Einsatz von digitalen Medien zur Verbesserung der Ausbildungsqualität u.v.a. mehr. Wir haben die Refinanzierung des Eigenanteils an den Investitionskosten unseres Deutschen Projektpartners RDS zugesagt über € 20.376 verteilt auf 4 Jahre.

 

Chancen/Risiken/Nachhaltigkeit: s. unter anderem auch Projekt 2.6.1.. Was die Nachhaltigkeit anbetrifft, bezahlen die Kurs-Teilnehmer*innen einen monatlichen Beitrag und eine Einschreibe-gebühr, diese decken aber nur einen Teil der Kosten. Zunehmend werden auch Zweckbetriebe errichtet, bei denen die Kursteilnehmer*innen ihre Praktika absolvieren und die die erzeugten Produkte am Markt verkaufen. Für größere Investitionen brauchen die Kurse weiterhin finanzielle Unterstützung.

Die kriminelle Gewalt im Land ist immer noch hoch, konzentriert sich aber vornehmlich auf Guatemala Stadt. Dem potentiellen Scheitern von Unternehmensgründungen wird durch begleitende Maßnahmen entgegengewirkt.

Aktuelle Situation: Insgesamt nahmen bisher knapp 3.000 Jugendliche und Erwachsene – deutlich mehr als geplant - an den verschiedenen technischen Ausbildungskursen teil, davon 87% Frauen. Auch an dem Programm zur Förderung von Existenzgründungen nahmen mit rd. 150 Personen mehr als geplant teil und gründeten danach ihr eigenes Kleinunternehmen. Auch die Investitionen wurden planmäßig getätigt. Verzögerungen gab es coronabedingt bei Betriebs-besichtigungen und Kongressen sowie bei der Besetzung einiger neuer Positionen, da bisher keine geeigneten Bewerber gefunden worden. Im Mai 21 verursachte ein Erdrutsch erhebliche Beschädigungen an den Lehrwerkstätten des Ausbildungszentrums Refugio.

Im Vergleich zu Projekten in anderen Ländern ist es gelungen, die Beeinträchtigungen durch Corona in Grenzen zu halten

 

III. Organe und Geschäftsführung

Das Kuratorium

·       Herr Reiner Karbenk                                     - Vorsitzender -
Am Sonnenhang 48                                                             
45289  Essen 

·       Herr Holger Krause                                        - stellv. Vorsitzender -

Roggenkamp 8

44797 Bochum

·       Frau Mira Elisabeth Klix
Sihlfeldstr. 141
CH 8001 Zürich - Schweiz

·       Frau Margret Lammert                                                                    
Meere Hoog 5a                                                        
25980  Morsum-Sylt                                                                                    

  • Herr Alexander Mauer
    Lessingstr. 56
    44791 Bochum

 

Im Kuratorium gab es keine personellen Veränderungen. Das Kuratorium tagte 2021 zweimal, davon einmal im Rahmen einer Videokonferenz. Es diskutierte mögliche Projektansätze und billigte die Mittelvergabe für die vom Vorstand vorgeschlagenen Projekte. Des Weiteren billigte das Kuratorium die Wirtschaftspläne für 2021 bis 2023 sowie den Jahresabschluss 2020.

 

Ehrenamtliche Mitarbeiterin          

·       Daliah Hauch

            Rauxeler Straße 10

            44575 Castrop-Rauxel

Im Berichtszeitraum konnten wir Frau Hauch als Ehrenamtliche Mitarbeiterin gewinnen. Sie kümmert sich um die Präsenz der Stiftung in digitalen Medien.

Der Vorstand

·       Verena Klix                                                    -  Vorsitzende

·       Dr. Richard Klix                                              -  stellv. Vorsitzender
beide wohnhaft in

44797 Bochum, Weidengrund 9.

Die Vorstandsmitglieder sind auf Lebenszeit ernannt.
Die Geschäftsführung übernimmt der Vorstand.

 

Alle Organmitglieder arbeiten ehrenamtlich.

 

IV. Stiftungsvermögen - Stiftungskapital

Das Stiftungsvermögen besteht im Wesentlichen aus zwei Immobilien:

a) 8-Familienhaus Essen, Tiegelstr. 34 (Sozialwohnungen) Die Immobilie ist voll vermietet. Es bestanden per 31.12.2020 Mietrückstände von € 136,53.

b) Einfamilienhaus Bochum Weidengrund 9. Das Haus wird von den Stiftern genutzt. Sie zahlen eine monatliche Miete von 2.000. Die laufenden Nebenkosten tragen die Nutzer.

Die Nettoerlöse der beiden Immobilien betrugen 2021 rd. € 36.700 – Rückgang gegenüber Vj. ausschließlich wegen Grundbuch- und Notargebühren im Zuge der Umfinanzierung des NRW-Bank-Darlehens auf eine Versicherungshypothek der Allianz-Versicherung.

 

Struktur der Wertpapieranlagen

Die Stiftung verfügte über € 1.004.000 an Wertpapieranlagen sowie € 33.300 an Bankguthaben Die Wertpapieranlagen erfolgten in Rentenfonds ( 34,9%) defensiven gemischten Fonds  (42,9%), einem auf Stiftungen spezialisierten Immobilienfonds (10,5%), einem defensiven Aktienfonds ( 6,8%), und einer Unternehmensanleihe (5%).

 

Ergebnisverwendung / Förderbereich / Projekte.

Das Stiftungsergebnis betrug in 2021 € 82.600. Unter Einbeziehung des Ergebnisvortrages aus dem Vorjahr von rd. € 4.200 wurden im Berichtsjahr € 50.700 den unter II. dargestellten Projekten direkt zugewendet. Zusätzlich wurden den gebundenen Ergebnisrücklagen gem. § 62(1) Nr. 1 AO saldiert € 2.200 zugeführt. Die freie Kapitalrücklage gem. § 62(1) Nr. 3 AO wurde mit € 14.300 dotiert. Die Umschichtungsrücklage wurde um € 18.600 aufgestockt.